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Wärmeenergie und Kosten im Passivhaus sparen

Neue Studie aus der Bahnstadt mit Handlungsleitfaden

Eine neue Studie aus der Bahnstadt gibt konkrete Handlungsempfehlungen, wie der ohnehin schon geringe Verbrauch von Fernwärme in Passivhäusern weiter reduziert werden kann. Das spart in Summe viel Energie und zugleich auch erhebliche Kosten für Bewohnerinnen und Bewohner von Passivhäusern.

Auf den ersten Bahnstadt-Baufeldern wurde das neue Konzept bereits umgesetzt. Ein Blick in die Praxis zeigt: Bei einem Baufeld mit rund 16.000 Quadratmetern Wohnfläche konnten rund 10 Prozent des Wärmeverbrauchs eingespart werden. Das ist eine Einsparung von rund 100.000 Kilowattstunden und knapp 6.000 Euro im Jahr. Über die neue Studie haben das städtische Umweltamt und das Passivhaus-Institut am Montag, 19. Juli 2021, in einem digitalen Themenabend des Stadtteilvereins Bahnstadt informiert.

„Mit dem Baubeginn eines Passivhaus-Stadtteils im Jahr 2009 ist Heidelberg der Klimaschutz-Bewegung zuvorgekommen. So können wir heute wichtige Erfahrungswerte und mehrjährige Betriebsdaten aus dem Passivhaus-Stadtteil ziehen. Das Erlernte wollen wir an alle weitergeben, die in Passivhäusern leben, arbeiten oder ein solches planen. Wir können nur die Klimaziele erreichen, wenn alle mitmachen“, sagt Oberbürgermeister Prof. Dr. Eckart Würzner.

Die Studie des Passivhaus-Instituts, die die Stadt Heidelberg in Auftrag gab, hat über den Zeitraum von einem Jahr den Wärmeverbrauch sowie die abgerufenen Fernwärmeleistungen gemessen und das in sehr kurzen Zeitabständen, zum Teil von fünf Minuten. Die Daten stammen von zwei Baufeldern der Bahnstadt mit mehr als 200 Wohneinheiten.

Basierend auf den Ergebnissen haben das Passivhaus-Institut und die Stadt Heidelberg einen Handlungsleitfaden für Bewohnerinnen und Bewohner, Technik-Fachkräfte und Hausverwaltungen erarbeitet. Gleichzeitig können die Ergebnisse für neue Bauprojekte von Planern genutzt werden, um bei den energiesparenden Passivhäusern von vorneherein geringe Wärmeleistungen einzuplanen.

Ergebnisse im Detail: bisher mehr Leistung abgerufen als benötigt

Ein Ergebnis der Studie: Die gemessenen Wärmeleistungen sind weitaus geringer als die installierte Fernwärmeleistung. Letztere wird an der Fernwärmeübergabestation, die jedes Baufeld besitzt, zentral für alle Wohnungen eingestellt. Das bedeutet: In den untersuchten Quartieren kamen mehr Kilowatt Wärmeleistungen an, als tatsächlich für das Heizen und Warmwasser benötigt wurden. (Das ist ähnlich, als ob ein Auto eine hohe PS-Zahl besitzt, aber stets nur mit 30 Kilometer pro Stunde unterwegs ist.) Wenn die Kilowattanzahl demnach vom örtlichen Energieversorger oder Heizungsbauer auf das richtige Maß gesenkt wird, spart das viel Energie und Geld. 

In Heidelberg beträgt der Leistungspreis pro Kilowatt 61,25 Euro im Jahr. Kann die Fernwärmeleistung beispielsweise um 120 Kilowatt reduziert werden – wie dies in einem ersten Schritt bei einem der untersuchten Baufelder mit einer Wohnfläche von rund 8.000 Quadratmetern bereits durchgeführt wurde – ist das eine Ersparnis von rund 7.300 Euro pro Jahr. Diese kann auf alle Hausparteien umgelegt werden.

Weiter kann festgehalten werden, dass die Baufelder zum Teil unterschiedliche Wärmekennwerte aufweisen. Da alle Gebäude sehr hochwertig gedämmt sind, kann dies nur an den Einstellungen der Regelparameter liegen. Wenn zum Beispiel Heizungspumpen im Sommer nicht abgeschaltet werden oder der Frostschutz der Lüftungsanlagen auch bei warmen Temperaturen anspringt, ist ein erhöhter Wärmeverbrauch zu erwarten. Zur optimierten Einstellung von Regelparametern und dem Nutzerverhalten gibt es eine Checkliste. Diese ist ab Seite 39 der Studie zu finden.

Hintergrund: Bahnstadt als klimaneutraler Stadtteil

Klimaneutral wohnen und einen Beitrag für den Klimaschutz leisten ­- das ist leicht, wenn sich die Wohnung in einem Passivhaus der Heidelberger Bahnstadt befindet. Bahnstädterinnen und Bahnstädter erzeugen für das Heizen und Warmwasser kein schädliches CO<sub>2</sub>. Das belegen die Studien zum Energieverbrauch-Monitoring der Stadt Heidelberg. Die Strom- und Wärmeversorgung erfolgt über die Fernwärme, die im Holzheizkraftwerk im Pfaffengrund und in zwei Biogas-Blockheizkraftwerke in der Bahnstadt erzeugt wird. Diese können Strom und Wärme CO<sub>2</sub>-neutral für insgesamt 15.000 Menschen liefern, die nach Fertigstellung der Bahnstadt dort wohnen und arbeiten werden. Aufgrund der sehr guten Dämmung und den dreifach isolierten Fenstern der Passivhäuser ist der Fernwärmeverbrauch in Passivhäusern für das Heizen im Vergleich zu nicht-gedämmten Gebäuden sehr gering.

Die vollständige Studie samt Berechnungsbeispiel für das eigene Quartier (Seite 43) gibt es hier