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Mehr als ein reiner Lichtspender

Bewohner und Gäste informierten sich bei einer Führung über das Beleuchtungskonzept.

Die intelligente Beleuchtung in der Bahnstadt stand im Fokus, als die Stadtwerke Heidelberg am Dienstag, 29. Oktober 2019, zu einer Führung eingeladen hatten. Die Veranstaltung fand im Zuge der Kampagne „Licht ins Dunkel“ statt, einem Kooperationsprojekt der Stadtwerke Heidelberg, dem BUND Heidelberg und der Ökostadt Rhein-Neckar. Mit der Kampagne möchten die Partner für eine intelligente, natur- und klimaschonende Beleuchtung sensibilisieren.

Rainer Herb von den Stadtwerken Heidelberg stellte bei einer Führung das Beleuchtungskonzept der Bahnstadt vor.
„Ich kann von meinem Schreibtisch aus jede Leuchte ansteuern“, sagt Rainer Herb von den Stadtwerken Heidelberg und weist auf eine kleine, äußerlich sichtbare Antenne hin, die an jeder Leuchte angebracht ist. Bild: Dittmer

Rainer Herb, Beleuchtungsexperte bei den Stadtwerken Heidelberg, stellt bei der Führung vor allem drei Ziele in den Mittelpunkt: „Wir wollen ausreichend Sicherheit bieten – und gleichzeitig das Klima schonen und die Natur vor einer unnötigen Erhellung des Nachthimmels schützen.“ Dazu setzen die Stadtwerke Heidelberg auf intelligente technische Lösungen mit LED-Leuchten, optimal ausgerichtetes Licht und Lichtsteuerung nach Bedarf.

Jede Leuchte über Funk ansteuerbar

Kern des Beleuchtungskonzepts ist ein Telemanagementsystem. „Ich kann von meinem Schreibtisch aus jede Leuchte ansteuern“, sagt Herb und weist auf eine kleine, äußerlich sichtbare Antenne hin, die an jeder Leuchte angebracht ist. Aktuell sind rund 650 Leuchten in dieses System eingebunden. Über Funk kann er die jeweilige Lichtleistung anpassen und bei Störungen schnell reagieren. Dieses Steuerungssystem der Firma Schréder ermöglicht es genau den Lichtbedarf einzustellen, der erforderlich ist. Damit kann durch dieses Beleuchtungssystem noch zusätzlich Energie eingespart werden.

So wird die Straßenbeleuchtung nicht statisch ab 22 Uhr gedimmt, sondern die Dimmprofile individuell nach Verkehrsaufkommen und Straßencharakteristik gefahren. Dadurch kann mehr als die Hälfte der zuvor verbrauchten Energie eingespart werden kann. An der Promenade spielt die Eindämmung der Lichtverschmutzung zum Schutz der nachtaktiven Insekten eine große Rolle. So wird dort Leuchtkraft nach und nach bis Mitternacht gleichmäßig um 75 Prozent heruntergefahren. Das menschliche Auge gewöhnt sich an diese Helligkeit und sieht weiterhin gut, Insekten werden aber geschont. Für deren Schutz sind die Leuchten außerdem in der Bahnstadt eigens so ausgerichtet, dass das Licht nicht auf die Grünflächen strahlt.

Am Gadamerplatz geht es um architektonische Gestaltungsmöglichkeiten der Lichtstelen, „etwa das Spiel mit Licht und Schatten“, erklärt Herb. Eine der dortigen Straßenleuchten ist gleichzeitig Lichtmast und Elektro-Ladesäule. Sie kann zusätzlich Werte wie Feinstaub und Luftfeuchtigkeit erfassen – eine Entwicklung hin zu intelligenten Leuchten, die in Zukunft mehr sein können als reine Lichtspender.

Straßenbeleuchtung in der Bahnstadt: Die Dimmprofile werden individuell nach Straßencharakteristik und deren Verkehrsaufkommen gefahren. Bild: Dittmer

Radwege: energiesparender Betrieb

Auch an den Radwegen auf den Ausgleichsflächen zwischen Heidelberg-Bahnstadt und den benachbarten Stadtteilen haben die Stadtwerke Heidelberg eine intelligente, klima- und umweltschonende Lösung realisiert. Die Lichtleistung der Leuchten, die mit einem Sensor ausgestattet sind, werden auf 30 Prozent gedimmt, wenn dort niemand unterwegs ist. Sobald sich ein Radfahrer nähert, wird auf einer Strecke von 100 Metern auf 100 Prozent erhöht, um nach 40 Sekunden erneut zu dimmen. Seit sechs Jahren sind die Leuchten in Betrieb. Gemeinsam mit dem Hersteller werden diese regelmäßig weiterentwickelt. So sollen demnächst zehn neue Leuchten der nächsten Generation dort installiert werden.

Insgesamt ist die Beleuchtung in der Bahnstadt 75 Prozent effizienter als herkömmliche Alternativen und im gleichen Maß spart sie CO2 ein – ein erheblicher Beitrag zum Klimaschutz.

Das Beleuchtungskonzept der Bahnstadt wurde im Dezember 2013 im weltweiten Auroralia Award ausgezeichnet. 2016 gab es einen weiteren Preis, dieses Mal für umweltfreundliche Beschaffung.